Welcher Tee hat wieviel Koffein
Tee ist nicht nur ein Genussmittel, sondern auch ein wunderbarer Energielieferant. Weshalb? Weil die Blätter der Teepflanze Koffein enthalten. Ohne dies genau erklären zu können, wussten es die Menschen von früher. Die buddhistischen Mönche schätzten die anregende Wirkung so sehr, dass sie in ihrem Alltag nicht darauf verzichten wollten und im 8. Jahrhundert den Tee aus China nach Japan brachten – womit ein regelrechter Siegeszug des Tees um die Welt begann.
Was ist eigentlich Koffein?
Koffein ist ein natürliches Stimulans aus der Gruppe der Alkaloide, das in vielen Pflanzen wie Kaffeebohnen, Teeblättern, Kakaobohnen, Guaraná und Mate vorkommt. Koffein wirkt auf das zentrale Nervensystem und sorgt für eine erhöhte Aufmerksamkeit und Wachheit. Es blockiert die Adenosin-Rezeptoren im Gehirn, die normalerweise für Müdigkeit sorgen. Dadurch fühlt man sich wacher, konzentrierter und oft auch leicht euphorisch.
Koffeingehalt im Überblick
Nicht alle Tees sind gleich, wenn es um den Koffeingehalt geht. Was genau Koffein ist, welche Teesorten wie viel Koffein enthalten und was alles den Koffeingehalt beeinflusst, wird im Folgenden beschrieben. Wichtig: es gibt keine pauschale Antwort darauf.
Faktoren, die den Koffeingehalt beeinflussen:
- Teesorte, Charge, Erntezeit
- Herstellungsprozess
- Dosierung
- Wassertemperatur
- Ziehzeit
Die Teesorten und ihr durchschnittlicher Koffeingehalt
Die angegebenen Werte in der Tabelle auf der rechten Seite sind Richtwerte. Als Faustregel gilt, dass nicht- oder wenig fermentierter Tee weniger Koffein enthält als fermentierter Tee.
Detaillierte Koffeinangaben verschiedener Teesorten
| Teesorte | Koffeingehalt (mg/200ml) | Bekannte Sorten | Zusätzliche Informationen |
|---|---|---|---|
| Weißer Tee | 15-30 mg (bis 135 mg) |
Pai Mu Tan 90–120 mg Silbernadel 125-135 mg | Einige Weiße Tees erstaunen mit ihrem hohen Koffeingehalt |
| Grüner Tee | 20-45 mg (bis 250 mg) |
Matcha 30-250 mg Gyokuro 101-138 mg Sencha 55-77 mg Kukicha 12-24 mg |
Matcha enthält besonders viel Koffein, da das gesamte Blatt konsumiert wird. |
| Gelber Tee | 7-84 mg | Der Koffeingehalt variiert stark je nach Herstellung. | |
| Oolong-Tee | 30-72 mg | Dong Ding Oolong 30-50 mg Oriental Beauty 60-80 mg | Stärker oxidierte Oolong-Tees haben tendenziell einen höheren Koffeingehalt. |
| Schwarzer Tee | 40-80 mg (bis 96 mg) | Assam 65-96 mg Darjeeling 60-90 mg Ceylon 50-70 mg | Camellia Assamica, aus der Assam- Tee hergestellt wird, enthält von Natur aus mehr Koffein als Camellia Sinensis, aus der andere Teesorten hergestellt werden |
| Mate Tee | 78-80 mg (Wirkung wie 120 mg) |
Im Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen der Mate Blätter verstärkt sich die stimulierende Wirkung. | |
| Kräutertee | 0 mg | Kamille, Pfefferminze, Rooibos | Enthält kein Koffein. |
Erklärungen
Weißer Tee:
- Koffeingehalt: Kann bis zu 135 mg betragen.
- Erklärung: Wegen seiner hellen Farbe und seines zarten Geschmacks hielt sich lange die Meinung, Weißer Tee hätte wenig Koffein. Das ist ein Irrtum. Obwohl viele Sorten von Weißem Tee einen geringeren bis mittleren Koffeingehalt aufweisen, übertreffen einige Sorten den Koffeingehalt im Kaffee. Der Grund liegt in der Herstellung: für Weißen Tee werden die Blattknospen und jungen Blätter verwendet, und diese enthalten mehr Koffein als ältere Blätter. Warum? Koffein ist ein natürliches Abwehrmittel gegen Schädlinge. Die jungen Blatttriebe sind anfälliger für Angriffe von Insekten und bilden daher als Abwehrreaktion eine erhöhte Menge Koffein.
Grüner Tee:
- Koffeingehalt: Variiert stark, mit einem Spitzenwert von 250 mg im Matcha.
- Erklärung: Der Spitzenwert beim Matcha-Tee bezieht sich auf eine spezielle Zubereitung, wenn der sogenannte „dicke Matcha“ oder Koicha zubereitet wird. Dabei wird so viel Teepulver genommen, dass eine dickflüssige, fast sirupartige Konsistenz entsteht. Zusätzlich enthält Matcha so viel Koffein, weil das gesamte (zu Pulver zermahlene) Blatt genutzt wird. Wer empfindlich auf das Koffein reagiert, muss jedoch nicht auf Grünen Tee verzichten. Es gibt ausgesprochen koffeinarme Grüntees wie Kukicha (12-24 mg), Genmaicha (15-25 mg) oder Sannenbancha (9-11 mg).
Gelber Tee:
- Koffeingehalt: Stark variabel, von 7 bis 84 mg.
- Erklärung: Wegen seiner besonderen Herstellung variiert der Koffeingehalt im Gelben Tee sehr stark. Einige gelten als koffeinarm, die anderen sind dem Schwarzen Tee ebenbürtig.
Oolong-Tee:
- Koffeingehalt: Im Durchschnitt zwischen 30 und 72 mg.
- Erklärung: Oolong-Tee, der eher schwarz ausgebaut ist, hat tendenziell einen höheren Koffeingehalt als Oolong-Tee, der eher grün ausgebaut ist. Sein durchschnittlicher Koffeingehalt liegt jedoch zwischen dem Koffeingehalt im Grüntee und Koffeingehalt im Schwarztee.
Schwarzer Tee:
- Koffeingehalt: Im Durchschnitt 40-80 mg, bis zu 96 mg bei Assam.
- Erklärung: Assam-Tee hat einen höheren Koffeingehalt, weil er aus der Sorte Camellia Assamica gewonnen wird, welche von Natur aus mehr Koffein produziert als die Camellia Sinensis (aus der überwiegend Grüner Tee hergestellt wird). Jedoch nutzen die meisten Teegärten heutzutage verschiedene Kreuzungen dieser beider Teepflanzen. Je höher der Assamica-Anteil ist, desto höher wird auch der Koffeingehalt sein.
Mate Tee:
- Koffeingehalt: Etwa 80 mg.
- Erklärung: In einer Tasse Mate Tee befinden sich ca 80 mg Koffein. Im Vergleich dazu enthält eine Tasse Kaffee etwa 85–150 mg Koffein. Allerdings enthält Mate Tee auch andere Inhaltsstoffe wie Theobromin und Theophyllin, die in Kombination mit Koffein eine stimulierende Wirkung von etwa 100–120 mg Koffein erzeugen. Zusätzlich hält die anregende Wirkung, genauso wie bei Tee aus der Teepflanze, länger an als die beim Kaffee.
Kräutertee:
- Koffeingehalt: 0
- Erklärung: Kräutertees, hergestellt aus unterschiedlichsten Pflanzen, enthalten in der Regel kein Koffein. Wie immer gibt es auch hier Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Außer der Tee- und Kaffeepflanze enthalten ca. 60 Pflanzen Koffein. Die bekanntesten darunter sind Mate, Guarana, Guayusa, Kolanuss, Kakaopflanze und Damiana.
Die Spitzenreiter im Koffeingehalt
Einflussfaktoren auf den Koffeingehalt
Abgesehen von der Teepflanze und der Herstellung, bei der ein Tee fermentiert bzw. oxidiert wird oder nicht, beeinflussen folgende Faktoren den Koffeingehalt:
- Erntezeit: Junge Blätter und Blattknospen enthalten mehr Koffein als ältere. Die erste Pflückung des Jahres hat merklich mehr Koffein als die folgende.
- Teemenge: Mehr Teeblätter führen zu einem höheren Koffeingehalt in der Tasse
- Wassertemperatur: Höhere Temperaturen extrahieren mehr Koffein. Je höher die Wassertemperatur, desto schneller und besser löst sich das Koffein aus den Teeblättern.
- Ziehzeit: Das Koffein löst sich relativ schnell im Wasser, insbesondere bei Verwendung von heißem Wasser. Bei einer Ziehzeit von 3 Minuten ist der Koffeingehalt im Tee am höchsten. Bei einer längeren Ziehzeit werden Gerbstoffe freigesetzt, die das Koffein binden und die anregende Wirkung abschwächen.
Geschichtliches: die Entdeckung des Koffeins
Im Jahr 1819 trafen sich in Jena der deutsche Chemie-Student Friedlieb Ferdinand Runge und Johann Wolfgang von Goethe. Goethe, der sich für Runges Forschungen zur pupillenerweiternden Wirkung von Bilsenkraut interessierte, schenkte ihm zum Abschied eine Schachtel Kaffeebohnen und schlug ihm vor, die chemische Zusammensetzung zu untersuchen. 1820 isolierte Runge aus Kaffeebohnen eine Substanz, die er "Kaffeebase" nannte – das heutige Koffein.
Exkurs: Wirkung von Gerbstoffen im Tee
- Verzögerte Koffeinfreisetzung: Gerbstoffe binden Koffein und verlangsamen dessen Freisetzung in den Körper. Das Koffein wird nicht sofort ins Blut aufgenommen, was zu einer gleichmäßigen Stimulation führt.
- Sanftere Wirkung: Die Kombination aus Gerbstoffen und Koffein erzeugt eine sanfte und langanhaltende Wachheit ohne abrupte Energieschübe oder Tiefs. Man fühlt sich wach und konzentriert, ohne die typischen "Koffeinspitzen" und "Tiefs", die oft nach dem Kaffeekonsum auftreten.
- Milderung der Koffeinwirkung: Gerbstoffe wirken als natürlicher "Koffeinpuffer" und verhindern einen abrupten Energieschub. Das Koffein im Tee ist dadurch weniger intensiv als im Kaffee, jedoch oft mit einer länger anhaltenden Wirkung
- Verminderte Bioverfügbarkeit: Durch die Bindung an Gerbstoffe wird die Bioverfügbarkeit von Koffein vermindert. Es wird angenommen, dass der an Gerbstoffe gebundene Koffeinanteil vom Körper nicht oder nicht vollständig aufgenommen wird und somit eine verminderte oder sogar keine Koffeinwirkung hat.
- Auswirkungen auf die Verdauung: Tee enthält im Vergleich zu Kaffee eine größere Menge an Gerbstoffen, was bei längerer Ziehzeit eine beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt hat – denn längere Ziehzeiten erhöhen den Gerbstoffanteil. Auf diese Art können Gerbstoffe zu einer höheren Darmträgheit führen, was hilfreich bei Diarrhö ist.
- Beruhigende Wirkung: Im Gegensatz zu Kaffee enthält Tee eine größere Menge an Gerbstoffen, die eine beruhigende Wirkung auf den Organismus haben.
Wichtig: Trotz der Bindung an Gerbstoffe erhöht Koffein im Tee die Durchblutung und den Stoffwechsel im Gehirn und wirkt somit auf das zentrale Nervensystem, was zu einer anregenden Wirkung führt.