Sommer im Glas
mit kaltem Tee
Die kühle Seite des Tees Drei Zubereitungsarten, unzählige Nuancen
Die Kunst der kalten Teezubereitung
Vom klassischen Eistee bis zum japanischen Koridashi – kalte Teezubereitung eröffnet eine überraschend feine und aromatische Genusswelt.
Wenn die Temperaturen steigen, zeigt Tee seine erfrischende Seite. Denn nicht nur heiß aufgegossene Tees entfalten Charakter und Tiefe – auch kalt zubereitet eröffnet Tee eine faszinierende Aromawelt: klar, weich, elegant und oft überraschend süß.
Unter dem Begriff Kaltzubereitung verbergen sich gleich mehrere Methoden, die jeweils ihre eigene Handschrift tragen. Der klassische Eistee ist vielen bekannt: ein bereits aufgebrühter Tee, der anschließend gekühlt oder auf Eis serviert wird. Der Kaltaufguss, im Englischen Cold Brew, arbeitet dagegen mit kaltem Wasser und viel Zeit. So lösen sich die Aromen besonders sanft, während Bitterstoffe und adstringierende Noten in den Hintergrund treten. Diese Methode ist in Japan seit Jahrhunderten unter dem Namen Mizudashi bekannt und wird dort als traditionsreiche, energiearme Form der Teezubereitung geschätzt.
Noch subtiler und fast poetisch wirkt der Eisaufguss, auch Koridashi genannt. Was nach einer asiatischen Kampfkunst klingt, ist die leise Perfektion einer Extraktion. Beim Koridashi wird Tee mit Eiswürfeln aufgegossen, die langsam schmelzen und die kostbaren Inhaltsstoffe des Blattes in sehr konzentrierter Form freisetzen. Das Ergebnis ist kein großer Durstlöscher, sondern ein kleines, kostbares Geschmackserlebnis: intensiv, klar, weich und oft mit ausgeprägter Süße und Umami. Für diese Zubereitung eignen sich besonders hochwertige japanische Grüntees wie Gyokuro, deren feine Struktur und Beschattung ihre ganze Tiefe erst in langsamer Extraktion entfalten.
Welche Tees eignen sich für die kalte Zubereitung?
Für die kalte Zubereitung eignen sich nicht alle Tees gleichermaßen, doch die Auswahl ist erfreulich vielfältig. Besonders schön zeigen sich hochwertige Grüntees , helle Oolongs , aromatische Weißtees und fruchtige Kräutertees . Durch die langsame Extraktion entstehen besonders klare, feine und ausgewogene Geschmacksbilder, die viele Tees von einer überraschend neuen Seite zeigen.
Der Kaltaufguss (Cold Brew) bringt vor allem bei japanischen Grüntees , Sencha oder auch ausgewählten Schwarztees eine sanfte und elegante Stilistik hervor. Bitterstoffe treten in den Hintergrund, während natürliche Süße und feine Duftnoten stärker wahrnehmbar werden.
Der Koridashi entfaltet seinen besonderen Reiz vor allem bei beschatteten Spitzenqualitäten wie Gyokuro. Durch die äußerst langsame Extraktion treten Süße, Textur und Umami mit beeindruckender Präzision hervor. So entstehen kleine, konzentrierte Genussmomente, die die ganze Komplexität eines hochwertigen Tees erlebbar machen.
Ein Sommer der Unterschiede
Drei Zubereitungsarten, drei Charaktere – jede mit ihrem ganz eigenen Sommergefühl.
Wer Tee kalt zubereitet, entdeckt nicht einfach nur eine kühlere Variante des Aufgusses, sondern drei ganz unterschiedliche Ausdrucksformen des Teegenusses:
- Eistee steht für unkomplizierte Erfrischung und ist der ideale Begleiter an heißen Sommertagen. Kühl, belebend und vielseitig lässt er sich immer wieder neu interpretieren.
- Kaltaufguss (Mizudashi) offenbart eine besonders sanfte und elegante Seite des Tees. Die langsame Extraktion bringt feine Aromen, natürliche Süße und eine bemerkenswerte Klarheit hervor.
- Koridashi gilt als die konzentrierteste und zugleich luxuriöseste Form der kalten Teezubereitung. Er lädt dazu ein, sich Zeit zu nehmen und die vielschichtigen Nuancen hochwertiger Tees Blatt für Blatt zu entdecken.
Die richtige Zubereitung
Jede Methode folgt ihrem eigenen Rhythmus – von der schnellen Erfrischung bis zur langsamen, konzentrierten Extraktion.
Obwohl alle drei Varianten kalt serviert werden, unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Zubereitung. Mit etwas Zeit und dem passenden Tee entstehen dabei ganz unterschiedliche Geschmackserlebnisse.
- Eistee wird zunächst wie gewohnt heiß aufgebrüht – abgestimmt auf die jeweilige Teesorte und gewünschte Intensität. Anschließend wird der Tee durch ein Sieb gegossen und entweder gekühlt oder direkt über reichlich Eis serviert. Nach Belieben können Zitronenscheiben, frische Kräuter oder etwas Sirup ergänzt werden. Während Früchte- und Kräutertees langsam abkühlen dürfen, sollten Grün-, Weiß-, Oolong- und Schwarztees unmittelbar nach dem Aufguss über Eiswürfel gegeben werden, damit ihre feinen Aromen erhalten bleiben.
- Kaltaufguss (Mizudashi) entsteht durch Geduld statt Hitze. Loser Tee wird in kaltes, gefiltertes Wasser gegeben – je nach gewünschter Intensität etwa im Verhältnis von 1:50 bis 1:30. Im Kühlschrank zieht der Tee anschließend vier bis acht Stunden und entwickelt dabei eine besonders weiche, klare Aromatik. Je feiner und zarter das Blattgut, desto kürzer kann die Ziehzeit ausfallen. Das Gefäß sollte währenddessen stets verschlossen oder gut abgedeckt sein. Für den Kaltaufguss eignen sich nahezu alle Tees, ausgenommen Früchte- und Gewürztees.
- Koridashi (Eisaufguss) ist die wohl konzentrierteste Form der kalten Teezubereitung. Hochwertige Teeblätter werden in eine kleine Kanne oder Karaffe gegeben und mit gefilterten Eiswürfeln bedeckt. Während das Eis langsam schmilzt, werden die Aromen besonders schonend und intensiv extrahiert. Nach ein bis drei Stunden entsteht ein kleiner, hochkonzentrierter Aufguss, der am besten in kleinen Mengen genossen wird. Besonders eindrucksvoll gelingt diese Methode mit hochwertigen, beschatteten Grüntees wie Gyokuro.
Genuss mit Haltung
Kalter Tee ist mehr als eine Erfrischung – er eröffnet neue Perspektiven auf Geschmack, Herkunft und Handwerk.
Je nach Zubereitungsart zeigt sich die Teepflanze von einer anderen Seite: einmal lebhaft und erfrischend, einmal weich und floral, ein anderes Mal konzentriert, cremig und von feinem Umami geprägt. Gerade darin liegt der besondere Reiz der kalten Teezubereitung – sie macht Nuancen sichtbar, die im klassischen Heißaufguss oft verborgen bleiben.
Für warme Sommertage bedeutet das: weniger Hitze, mehr Präzision, mehr Leichtigkeit – und ein Genuss, der moderne Trinkkultur mit jahrhundertealter Teetradition verbindet. Jede Methode besitzt ihren eigenen Charakter und lädt dazu ein, vertraute Teesorten neu zu entdecken.
Entdecken Sie die Vielfalt der kalten Teezubereitung – vom unkomplizierten Eistee über den sanften Kaltaufguss (Mizudashi) bis hin zum luxuriösen Koridashi. Vielleicht wartet Ihr persönlicher Sommertee bereits auf Sie.